Das Paradox des Bauens

Wenn Unternehmer an Kosten denken, denken sie meist an die Baustelle. An die Angebote der ausführenden Firmen. An Materialpreise. An Baunebenkosten. Dabei wird der wichtigste Hebel regelmäßig übersehen – der Hebel, der längst gezogen ist, wenn der erste Bagger anrollt:

Die Planungsphase.

Mehrere Studien aus dem Bauwesen kommen zum gleichen Ergebnis: Rund 80 % der Lebenszykluskosten eines Gebäudes werden in den ersten 20 % der Projektzeit festgelegt – nämlich in Vorentwurf, Entwurf und Einreichplanung. Was in diesen Phasen entschieden wird, kann später nur noch mit erheblichem Aufwand korrigiert werden – oder gar nicht mehr.

Wer also Kosten im Griff haben will, muss nicht auf der Baustelle sparen. Er muss am Planungstisch die richtigen Entscheidungen treffen.

Die drei Hebel, die alles entscheiden

Im Executive Letter, den Sie auf Ihrem Schreibtisch liegen haben, stehen drei Aussagen. Dieser Artikel vertieft sie.

Hebel 1: Tragwerk, Geometrie, Haustechnik – die 30%-Frage

In der Vorentwurfsphase werden drei Entscheidungen getroffen, die jede einzeln die Gesamtkosten massiv verschieben können:

Das Tragwerk. Stahlbeton, Stahlkonstruktion oder Holzhybrid? Jedes System hat andere Spannweiten, andere Fundamentanforderungen, andere Bauzeiten und andere Folgekosten im Betrieb. Allein die Tragwerksentscheidung kann bei einem Industriebau mit 3.000 m² einen Rohbaukostenunterschied von 15 bis 25 % ausmachen.

Die Gebäudegeometrie. Kompakte Baukörper haben ein günstiges Verhältnis von Hüllfläche zu Nutzfläche – das spart nicht nur Baukosten, sondern auch Heiz- und Kühlkosten über die gesamte Lebensdauer. Ein schlecht proportionierter Grundriss kann über 30 Jahre hinweg sechsstellige Mehrkosten verursachen – jedes Jahr.

Die Haustechnik-Strategie. Überdimensionierte Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen sind einer der häufigsten Kostentreiber – sowohl in der Errichtung als auch im Betrieb. Wer die Haustechnik erst plant, wenn die Architektur steht, vergibt das Potenzial einer integrierten Lösung.

Alle drei Entscheidungen zusammen: bis zu 30 % Kostenunterschied bei sonst gleichem Projekt.

Hebel 2: Der zu späte Planer – ein teurer Klassiker

Ein wiederkehrendes Muster in unserer Praxis: Der Bauherr hat bereits Entscheidungen getroffen – zur Kubatur, zur Grundstücksnutzung, zum Tragsystem – und holt dann den Planer ins Boot, um das Ganze zu „zeichnen“ und einzureichen.

Das Problem: In diesem Moment sind die größten Hebel längst festgelegt. Der Planer kann nur noch optimieren, nicht mehr gestalten. Die Entscheidungen, die 80 % der Kosten ausmachen, sind gefallen – oft ohne eine fundierte Alternativenprüfung.

Der richtige Zeitpunkt, einen erfahrenen Planer hinzuzuziehen, ist nicht die Einreichplanung. Es ist die erste Skizze auf der Serviette.

Denn erst dort entsteht die Grundlage für alle Folgeentscheidungen. Wer hier einen Sparringspartner hat, der die wirtschaftlichen, baurechtlichen und technischen Implikationen früh durchdenkt, vermeidet später die teuren Korrekturen.

Hebel 3: Der blinde Fleck – die Lebenszykluskosten

Hier wird es interessant: Die Errichtungskosten eines Industriegebäudes machen über eine Nutzungsdauer von 30 Jahren meist nur 20 bis 30 % der Gesamtkosten aus. Der Rest – 70 bis 80 % – fällt im Betrieb an: Energie, Wartung, Instandhaltung, Umbau, irgendwann Abriss.

Ein Gebäude, das in der Errichtung 10 % günstiger ist, aber jährlich 20 % höhere Betriebskosten verursacht, ist kein gutes Geschäft. Es ist ein schlechtes – man sieht es nur nicht sofort.

Moderne Planung rechnet von Anfang an mit Lebenszykluskosten. Das bedeutet: Ein höherer Investitionsaufwand in bessere Dämmung, effizientere Haustechnik oder langlebigere Baustoffe kann sich über die Nutzungsdauer um ein Vielfaches auszahlen. Wer nur auf den Baupreis schaut, trifft strukturell falsche Entscheidungen.

Was das konkret für Sie bedeutet

Wenn bei Ihnen ein Bauprojekt ansteht – sei es eine Erweiterung, eine Sanierung oder ein Neubau – dann lohnt es sich, frühzeitig einen erfahrenen Partner einzubinden. Nicht erst, wenn die Grundstücksfrage geklärt und das Raumprogramm fertig ist. Sondern schon dann, wenn die ersten Überlegungen entstehen.

Ein erfahrener Planer bringt in dieser Phase drei Dinge mit:

  • Fachliche Alternativenprüfung. Welche Tragwerkssysteme kommen in Frage? Welche Geometrien wären wirtschaftlicher? Welche Haustechnik-Strategie passt zum Betrieb?
  • Kostentransparenz. Realistische Kostenschätzungen für verschiedene Varianten – nicht erst in der Einreichplanung, sondern schon in der Konzeptphase.
  • Lebenszyklus-Denken. Was zahlen Sie heute, was zahlen Sie morgen, was zahlen Sie in 20 Jahren? Die beste Entscheidung ist die, die über alle Zeiträume hinweg aufgeht.

Ein Gespräch unter Unternehmern

Die Ritt3r GmbH ist ein Familienbetrieb aus Vorarlberg, der seit Ende der 1980er-Jahre Gewerbe- und Industriebauten plant und baulich begleitet. Unsere Auftraggeber sind mittelständische Unternehmen aus Vorarlberg – und einige der bekanntesten Namen des Landes.

Bauen ist selten eine Entscheidung von heute auf morgen. Wenn Sie ein Projekt andenken – oder nur einmal eine Idee besprechen wollen – melden Sie sich. Ein Telefonat, ein Kaffee, ein Termin vor Ort.